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Neue Informationen zum Einsatz von Rohglycerin
        

Neue Informationen zum Einsatz von Rohglycerin

  • Rohglycerin seit 3. April 2006 als Einzelfuttermittel zugelassen
  • Nach Futtermittelrecht nur zertifizierte Ware füttern

 

Seit dem 3. April 2006 ist neben Propylenglykol und Glycerin auch Rohglycerin in die Positivliste1 für Einzelfuttermittel aufgenommen worden. Grundsätzlich muss jedes Futtermittel der Positivliste natürlich auch die Anforderungen des gelten-den Futtermittel­rechtes2 erfüllen. Unerwünschte und verbotene Stoffe sind nach Anlage 5 und 6 der Futtermittelverordnung damit ausdrücklich ausgeschlossen. Beim Rohglycerin ist zu beachten, dass der Glyceringehalt mindestens 80 % betragen muss und der Methanolgehalt 0,5 % nicht überschreiten darf. Die Spanne der Qualitäten der Rohglycerine entspricht bei weitem nicht immer der Futtermittelqualität (z.B. stark erhöhte Methanolgehalte bis 25 %), da zusätzliche Aufbereitungs-schritte erforderlich sind. Deshalb sollte sich der Landwirt unbedingt für jede Lieferung die Futtermittelqualität per Zertifikat nachweisen lassen. 

Zur weiteren Erforschung der Wirkung von Glycerin im Vergleich zu Propylenglykol in der Fütterung von Hochleistungs-kühen wurde von der Dr. Pieper Technologie- und Produkt­entwicklung GmbH ein umfangreicher Einzelfütterungsversuch in der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Iden (Engelhard et al., 2006)3 angeregt und nennenswert mitfinanziert. Gruppe 1 (36 Tiere) erhielt 250 g Propylenglykol und Gruppe 2 (36 Tiere) 250 g Glycerin in die gleiche TMR. Es wurden keine Unterschiede in Milch­leistung, Körperkondi­tion und Stoffwechsel­parametern festgestellt, obwohl die Altkühe der Glycerin­gruppe (23 Tiere)  ca. 1,2 kg TM mehr aufnahm. Zum Abschluss des Versuches waren in der Propylen­glykolgruppe mit 94 % wesentlich mehr Kühe tragend als in der Glyceringruppe mit 76 %. 

Ähnliche Ergebnisse ermittelte Mahlkow-Nerge (2006)4 am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp in Schleswig-Holstein mit 2 Gruppen à 27 Tieren, wobei Gruppe 1 250 g Propylenglykol und Gruppe 2 800 g Reinglycerin erhielt. Da die pansen-physiologische  Wirkung des Glycerins in der Literatur mit der von Getreide verglichen wird, wurde in Gruppe ‚ die Getreidemenge um eben diese höhere Glycerinmenge reduziert. Die Milchleistung der Glyceringruppe war um 1,2 kg (nicht signifikant) und die Futteraufnahme tendenziell gegenüber der Propylenglykolgruppe erhöht. Auffallend war um 1,2 kg höhere TM-Aufnahme der Färsen der Glycerinvariante.

In einem Versuch in Polen (Bodarski et al., 2005)5 mit 2 Gruppen à 12 Tieren wurden 300 und 500 ml Glycerin gegenüber einer Kontrollvariante (ohne Propylenglykol, ohne Glycerin) verabreicht und eine signifikante Steigerung der Milchmenge, des Milchproteingehaltes sowie des BCS gefunden. Die Blutparameter (BHB, NEFA, Glucose) der Glyceringruppen waren nur tendenziell gegenüber der Kontrollvariante verändert.

Insgesamt lassen die Differenzen in der Futterverwertung (Iden und Futterkamp) und in der Fruchtbarkeit (Iden) sowie der geringe Einfluss des Glycerins auf die relevanten Blutparameter in der polnischen Untersuchung auf unterschied­liche physio-logische Wirkungen schließen und veranlassen uns weitere Untersuchungen durch­zuführen. Es muss außerdem geklärt werden, ob die oben genannten Unterschiede in der Futteraufnahme auch dann ermittelt worden wären, wenn die Propy-lenglykol-Gruppe zur Überdeckung des bittersüßen Propylenglykol-Geschmacks Melasse in der Ration gehabt hätte.

Aus heutiger Sicht geben wir folgende vorläufige Einsatzempfehlungen für eine Kombination von Propylenglykol mit Glycerin um einerseits das Risiko des Auftretens von Ketosen zu minimieren und andererseits mögliche positive Effekte in der Futteraufnahme zu erreichen. Ob die Propylenglykolmenge noch zu reduzieren ist, kann noch nicht abschließend gesagt werden und ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.



Vorläufige Empfehlungen zum kombinierten Einsatz von Propylenglykol und Rohglycerin (g/Tag)

Laktationsstadium

Propylenglykol

+

Rohglycerin

(umgerechnet auf 100 % Glyceringehalt)

Vorbereitung
(2 Wo. vor dem Kalben)

100

+

100

0. bis 3. Laktationswoche

200 - 220

+

200 -220

bis 3. Laktationsmonat
Herdenleistung bis 9500 kg:

150

+

 

150

bis 5. Laktationsmonat
Herdenleistung bis 9500 kg:
           

150

+

 

150


1 www.futtermittel.net/pdf/positivliste_aenderungen.pdf

2 Grüne Broschüre 2006 [TE] – Das geltende Futtermittelrecht. Aktuelle Gesetze und Verordnungen aus Bundes- und Gemeinschaftsrecht, 17. Neuauflage, Allround Media Service e.K., Rheinbach.

3 Engelhard, T., A. Meyer, R. Staufenbiel und W. Kanitz (2006): Vergleich des Einsatzes von  Propylenglykol und Glycerin in Rationen für Hochleistungskühe. Forum Angewandte Forschung, Fulda, Verband der Landwirtschaftskammern, 26-29.

4 Mahlkow-Nerge, K. (2006): Vergleich des Einsatzes von  Propylenglykol und Glycerin in Rationen für Hochleistungskühe. Forum Angewandte Forschung, Fulda, Verband der Landwirtschaftskammern, 30-34.

5 Bodarski, R., T. Wertelecki, F. Bommer und S. Gosiewski (2005): The changes of metabolic status and lactation performance in dairy cows under feeding TMR with glycerine (glycerol) supplement at periparturient period. Electronic Journal of Polish Agricultural Universities, Topic Animal Husbandry, 8 (4), 9 Seiten.

        
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