Ursachen, Folgen und wirksame Gegenmaßnahmen
Von Dr. Bernd Pieper, Dr. Laura Pieper und Jutta Zielke
Clostridien gehören zu den größten Gegenspielern einer guten Silage. Sie bauen Eiweiß ab, bilden Buttersäure und können im schlimmsten Fall zum vollständigen Verderb des Futters führen. Wir erklären, wie Clostridien ins Siliergut gelangen, woran Sie eine Fehlgärung erkennen und wie Sie ihr gezielt vorbeugen.
Was sind Clostridien?
Clostridien sind Bakterien, die ohne Sauerstoff wachsen und natürlicherweise im Boden sowie im Darm von Tieren vorkommen. Einige Arten beeinträchtigen die Silagequalität, andere die Tiergesundheit, und manche, wie C. botulinum, bilden gefährliche Toxine. In der Silage unterscheidet man zwei Hauptgruppen: Die einen vergären vor allem Zucker und organische Säuren, die anderen bauen Aminosäuren ab.
Besonders problematisch ist ihre Widerstandsfähigkeit: Clostridien bilden Sporen, die selbst Kochen und sehr niedrige pH-Werte überstehen und bei günstigen Bedingungen wieder aktiv werden. Ab welchem pH-Wert eine Silage als sicher gilt, hängt dabei vom Trockenmassegehalt und von der Art des Siliergutes ab.
Wie gelangen Clostridien in die Silage?
Der Hauptweg ist verschmutztes Futter. Wer Boden- und Güllekontamination vermeidet, reduziert damit auch die Clostridienbelastung. Dazu tragen gesunde, dichte Pflanzenbestände ohne offene Bodenstellen, weniger Reifenspuren und Maulwurfshügel sowie eine angepasste organische Düngung bei. Bei der Ernte helfen eine Schnitthöhe von mindestens 5 bis 7 cm und richtig eingestellte Maschinen, beim Transport und Einlagern saubere Wege und Siloflächen.
Was passiert bei einer Fehlgärung?
Clostridien haben leichtes Spiel, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen: ein niedriger Trockenmassegehalt unter 30 %, ein pH-Wert über 4,6, wenig vergärbarer Zucker, eine hohe Pufferkapazität (etwa durch viel Eiweiß oder Asche) und Temperaturen über 25 °C.
In der Hauptgärphase konkurrieren Clostridien mit den Milchsäurebakterien um den Pflanzenzucker. Senken die Milchsäurebakterien den pH-Wert schnell und tief genug ab, wird die Clostridienaktivität gestoppt. Gelingt das nicht, verwerten die Clostridien anschließend die gebildete Milchsäure und erzeugen daraus Buttersäure. Weil Buttersäure deutlich schwächer ist, steigt der pH-Wert wieder an. Gleichzeitig bauen eiweißzersetzende Clostridien Aminosäuren ab, wodurch Ammoniak und biogene Amine entstehen. Die Folgen: geringerer Nährwert, hohe Gärverluste, sinkende Futteraufnahme und mögliche Gesundheitsschäden bei den Tieren.
Auch später, etwa bei beschädigter Folie oder während der Entnahme, können Clostridien am Verderb beteiligt sein, wenn Hefen und andere Mikroorganismen ihnen durch Luftzutritt den Weg bereiten.
So erkennen Sie eine clostridienbedingte Fehlgärung
Betroffene Silagen haben einen erhöhten pH-Wert und riechen nach Buttersäure, ranziger Butter oder im schlimmsten Fall nach Abwasser. Nach DLG-Schlüssel erreichen Silagen die volle Punktzahl nur bei einem pH-Wert bis 4,0 (unter 30 % TM) bzw. bis 4,5 (30 bis 45 % TM). Im Labor geben folgende Werte Aufschluss:
| Parameter | Zielwert |
|---|---|
| Buttersäure | < 3 g/kg TS |
| NH₃-N am Gesamt-N | < 8 % |
| Biogene Amine | < 5 g/kg TS |
Zusätzlich kann die Sporenzahl der Clostridien bestimmt werden.
Vorbeugen mit Anwelken, Zucker und den richtigen Siliermitteln
Die wichtigste Maßnahme ist das Anwelken auf 30 bis 45 % Trockenmasse, da so Trockenmasse- und Zuckergehalt steigen. Ist das nicht ausreichend möglich, kann Zucker in Form von Melasse ergänzt werden. Alternativ senkt gepufferte Ameisensäure (Amasil® NA) den pH-Wert direkt ab und verringert so den Zuckerbedarf.
In beiden Fällen sollte die Gärung durch hochwirksame, homofermentative Milchsäurebakterien wie BIO-SIL® gesteuert werden. BIO-SIL® senkt den pH-Wert sehr schnell und tief, da es ein breites Zuckerspektrum effektiv in Milchsäure umwandelt. Mit BIO-SIL® behandelte Silagen zeigen im Vergleich zu unbehandelten oder heterofermentativ vergorenen Silagen niedrigere pH-Werte, weniger Buttersäure, weniger Ammoniak und weniger biogene Amine.
Unsere Einsatzempfehlung für schwer silierbares Futter: BIO-SIL® (1 g/t Siliergut) in Kombination mit Amasil® NA:
| Amasil® NA (l/t) | 20 % TS | 25 % TS | 30 % TS | 35 % TS |
|---|---|---|---|---|
| Weidelgras | 2,5 | 1,5 | – | – |
| Grasmischbestand | 4 | 3 | 2 | – |
| Klee | 5 | 4 | 3 | 1 |
| Luzerne (in der Knospe) | 6 | 5 | 3,5 | 1,5 |
| Futterroggen | 2,5 | 1,5 | – | – |
Wichtig: Da BIO-SIL® lebende Bakterien enthält, muss es getrennt von Melasse oder Ameisensäure ausgebracht werden.
Sonderfall Botulismus
Clostridium botulinum ist in der Natur weit verbreitet. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Pferde und Rinder nach der Fütterung von Ballensilage an Botulismus erkrankten. Ab etwa 35 % Trockenmasse wird die Aktivität des Erregers unterdrückt, ab über 40 % vollständig gehemmt.
Die größte Gefahr geht von Tierkadavern aus, etwa einem Reh oder Fuchs, der bei der Ernte ins Siliergut gerät. In Ballensilage bleiben die Kadaverteile größer und konzentrieren sich auf wenige Ballen. Dort entstehen feuchte Inseln mit hoher Pufferkapazität, ideale Bedingungen für Clostridien. Wird ein Kadaver bemerkt, sollten die betroffenen Ballen entsorgt werden; eine Laboruntersuchung auf C. botulinum ist ebenfalls möglich. In gut vergorenen Fahrsilos ist das Risiko durch kürzere Häcksellänge, bessere Verteilung und optimale Trockenmasse geringer. Ein homofermentatives Siliermittel wie BIO-SIL® senkt es zusätzlich.
Fazit
Clostridien lassen sich mit sauberer Ernte, ausreichendem Anwelken und einer schnellen, kräftigen pH-Absenkung wirksam in Schach halten. Bei schwierigen Bedingungen sorgt die Kombination aus BIO-SIL® und Amasil® NA für eine sichere Gärung und hochwertiges Futter.
Sie haben Fragen zur Silierung Ihres Futters? Wir beraten Sie gern unter 03391 / 68 48 0 oder per E-Mail an info@dr-pieper.com.
